The introduction of the discriminatory ‘German School’ from 1936

Das NS-Regime nahm den reichsweiten Pogrom vom November 1938 zum Anlass, allen jüdischen Schülerinnen und Schülern ab dem 15. November 1938 den Besuch der staatlichen Schulen zu verbieten. In Göppingen erfolgte die Ausweisung der jüdischen Kinder aus den Volksschulen (= Grundschule und allgemeinbildende Schule bis Klasse 8) schon ab dem Mai 1936. Die bisher nach Konfessionszugehörigkeit (evangelisch/katholisch) getrennt geführten staatlichen Schulen wurden aufgelöst und durch neue konfessionell gemischte ersetzt. Das betraf in Göppingen die beiden evangelischen Volksschulen, also die Knabenschule im Gebäude der heutigen Uhland-Realschule wie auch die Mädchenschule, die zum Teil im Gebäude der heutigen Schiller-Realschule, zum Teil im Gebäude des heutigen Mörike-Gymnasiums beheimatet war. Dort befand sich auch die Katholische Volksschule.

Jüdische und konfessionslose Kinder waren in Göppingen bisher den ‚evangelischen‘ Schulen zugeordnet gewesen. Rabbiner und/oder jüdische Vorbeter (Kantoren) fungierten bis Ende 1933 an höheren Schulen als Religionslehrer, ähnlich wie es bei den Geistlichen der christlichen Konfessionen der Fall war. Jüdischen Lehrern war der Eintritt und Verbleib in den staatlichen allgemeinbildenden Schuldienst erst seit wenigen Jahrzehnten möglich geworden. Noch Ende des 19. Jahrhunderts war der spätere Göppinger Kantor Carl Bodenheimer (siehe Stolperstein-Biografie Sophie Bodenheimer) am Widerstand katholischer Eltern gescheitert, als er Lehrer an einer staatlichen Schule in Külsheim (Main-Tauber-Kreis) werden sollte.

Mit dem Gesetz zur ‚Wiederherstellung des Berufsbeamtentums‘ vom 7. April 1933 waren alle jüdischen Lehrer aus dem deutschen Staatsdienst entlassen worden (Paragraph 3). Für die Göppinger Schulen hatte dies keine Auswirkungen, da keine jüdischen Lehrkräfte tätig waren. Allerdings durfte Frau Dr. med. Doris Steinthal-Thoren nicht länger als Referentin für Gesundheitslehre und damit auch für ‚Rassenkunde‘ an der 1-jährigen Frauenschule unterrichten, weil sie mit dem Christen Dr. med. Erich Steinthal verheiratet war, der den Nazis aber als ‚Jude‘ galt.

Das neue Volksschulkonzept des Württembergischen NS-Kultministeriums wurde als ‚Deutsche Schule‘ bezeichnet, die Trennung nach Geschlechtern wurde übrigens beibehalten. Der auch aus heutiger Sicht sinnvolle Abbau von konfessionellen Schranken sollte aber nicht der Toleranz dienen: Der NS-Staat versuchte mit diesem Schritt, den Einfluss der christlichen Kirchen, speziell der katholischen, zurückzudrängen, um seine eigene völkische, rassistische und inhumane Ideologie ‚ungestört’ den Kindern vermitteln zu können. Aus der gleichen Motivation heraus untersagte er jüdischen Kindern im Allgemeinen den Besuch der ‚Deutschen Schule‘, denn sie gehörten nach dem rassistischen Wahn der Nazis nicht der ‚Deutschen Volksgemeinschaft‘ an.

Gut dokumentiert ist dieser Schritt zur ‚Deutschen Schule‘ bei der Evangelischen Knabenschule. Schon deren Umbenennung der Schule in ‚Hans-Schemm-Schule‘ macht deutlich, dass hier nach der Ideologie der Nazis unterrichtet werden sollte. (Hans Schemm war unter anderem der Gründer des ‚Nationalsozialistischen Lehrerbunds‘).

Einweihung der Deutschen Schule Hans-Schemm-Schule
am 7. Mai 1936 (Quelle: ???)

Eine vergleichbare Verdrängung der jüdischen Kinder erfolgte auch an der Evangelischen Mädchenschule, die jetzt den Namen Schillerschule/Deutsche Mädchenvolksschule trug. Auch die ehemalige Katholische Volksschule wurde aufgelöst und in die beiden ‚Deutschen Schulen‘ integriert. Jüdische Kinder, die an einer der Evangelischen Volksschulen eingeschult waren, mussten diese verlassen. Doris Rosenkranz * 1927 erinnerte sich zum Beispiel, dass sie nach zwei Jahren des Schulbesuchs (vermutlich 1936) die staatliche Schule in Göppingen verlassen musste, was ihr lebenslang eine traumatische Erinnerung blieb. Ihre Mutter entschied sich nach diesem Einschnitt, nach Stuttgart zu ziehen, wo Doris noch bis November 1938 eine staatliche Schule besuchen konnte. Mutter und Tochter flohen 1939 in die Schweiz.

Aus der Sicht jüdischer Kinder und Eltern gab es freilich schon vor dem Mai 1936 Gründe, die es ratsam erscheinen ließen, die Kinder vor der ‚Volksgemeinschaft‘ zu schützen. So erinnert sich der geflüchtete Göppinger Hermann Freudenberger in einem Brief aus dem Jahr 1966: „Ich konnte nicht mit ansehen, wie meine Kinder in der Schule behandelt wurden“. Freilich hing es stark vom Anstand des Lehrers ab, ob den Nazi-Pimpfen Einhalt geboten wurde, und ein Lehrer wie Karl Baun, der seinen Schülern an der Evangelischen Knabenschule klarmachte, dass der jüdische Klassenkamerad Erich Steiner ‚zu uns‘ gehört, war sicher eine positive Ausnahme. (Der ehemalige Sozialdemokrat Karl Baun war bis zu seiner zwangsweisen Absetzung durch die Nazis Lehrer und Rektor der Schule.)

Andere Städte und Gemeinden des Landkreises Göppingen gaben in unterschiedlichem Tempo dem Druck zur Etablierung der ‚Deutschen Schule‘ nach. Ein Blick in das Adressbuch von 1937 zeigt, dass vor allem größere Gemeinden/Städte wie Eislingen, Ebersbach und Reichenbach/Fils eine ‚Deutsche Schule‘ aufwiesen, aber auch kleinere Einheiten wie Salach, Wangen und Holzheim. In der Mehrzahl der kleineren Gemeinden existierten damals aber noch die konfessionell getrennten Schulen. Nicht überall wurde die Aufhebung der Bekenntnisschule von der ganzen Bevölkerung unterstützt.

Die Süßener Archivarin Carola Eberhard beschreibt die dortige Entwicklung: „Vom Mai – Juli 1936 betrieb der Bürgermeister die Auflösung der bisherigen Konfessionsschulen. Die Umwandlung der evangelischen Schule wurde im Juli 1936 beantragt, die katholische Schule wurde (nach vielen Protesten) im Oktober aufgehoben und die Schüler in die ‚Deutsche Schule‘ übernommen.” Erstaunlicherweise durfte der jüdische Schüler Hugo Lang die Süßener ‚Deutsche Schule‘ bis November 1938 besuchen, also bis zum Abschluss der 8. Klasse. Seinem um ein Jahr jüngeren Cousin Kurt Lang, der die Göppinger Hohenstaufen-Oberschule besucht hatte, wurde dagegen im Oktober 1938 der Übertritt in die ‚Deutsche Schule‘ Süßens verwehrt.

Die Gründung einer privaten Jüdischen Schule in Göppingen

Um die Schulbildung der jüdischen Kinder zu gewährleisten, beschloss der Vorstand der Göppinger Israelitischen Gemeinde, trotz knapper finanzieller Mittel eine Schule für die jüdischen Kinder ab dem Grundschulalter einzurichten. Als Schulraum wurde das Erdgeschoss des Rabbinerhauses in der Freihofstr. 46 als Schulraum vorgesehen.

Rabbinerhaus, Freihofstr. 46

Der Raum war nach dem Wegzug von Kantor Levi frei geworden, der in den Ruhestand getreten war. Im oberen Stockwerk des Hauses lebte bis Dezember 1937 noch Bertha Tänzer, die Witwe von Rabbiner Dr. Aron Tänzer, während sein Nachfolger, Rabbiner Luitpold Wallach in der Rosenstr. 8 eine Wohnung gefunden hatte. Auch der neu eingestellte Lehrer und Kantor Fritz Max Erlanger wohnte in der Schillerstraße zur Miete.

Unter den Aktiven in der Israelitischen Gemeinde war es vor allem Julius Guggenheim, der zur Einrichtung der Jüdischen Schule beigetragen hatte.

Julius Guggenheim (1882-1960) (Quelle: ???)

Bei seinem Wegzug aus Göppingen, wo er 10 Jahre lang dem Gemeindevorstand angehört hatte, ehrten ihn seine Vorstandskollegen (Abschiedsschreiben vom 12. Mai 1937):
„Von all dem war die Gründung der Jüdischen Privatschule in Göppingen das Bedeutendste und Grundlegendste, und damit ging die Suche nach einem geeigneten Lehrer einher, der zugleich als Kantor fungieren konnte. Mit liebevoller Sorgfalt und unermüdlichem Eifer haben Sie diese Aufgabe übernommen und dank Ihrer unermüdlichen Bemühungen das angestrebte Ziel erreicht.“

Beim Lehrer und Kantor, der in dem Dankschreiben erwähnt wird, handelt es sich um den erwähnten Fritz Max Erlanger.

Fritz Max Erlanger im Tübinger Neckarfreibad,
aufgenommen vor Mai 1933 (Quelle: ???)

Neben ihm unterrichte auch der Rabbiner Dr. Luitpold Wallach, auch ist von ‚Hilfskräften‘ die Rede. Fotos von einem Schulausflug zeigen neben dem Lehrer Erlanger noch weitere junge Erwachsene, die aber nicht identifiziert werden konnten.

Fritz Max Erlanger (helles Hemd) mit seien Schülern 1936/37 (Quelle; ???)

Nicht alle jüdischen Eltern aus Göppingen wollten ihr Kind der neuen Schule anvertrauen, in der mehrere Jahrgänge in einem einzigen Klassenraum unterrichtet wurden – vergleichbar einer früheren Dorfschule. So könnte der Wegzug von Doris Rosenkranz nach Stuttgart auch damit zu erklären sein. Auch die Entscheidung der Eltern von Richard Fleischer * 1927 könnte man in diesem Zusammenhang verstehen.

Richard Fleischer im Jahr 1933 (Quelle: ???)

Er schrieb: „Meine Schule war in der Uhlandstraße (heute Burgstraße, Uhland-Grund- und Realschule – Anm. d. Verf.). Ich verließ die Schule bzw. wurde 1936 herausgenommen. Meinem Vater wurde klargemacht, dass ich unter keinen Umständen hierbleiben kann. Mein Vater schickte mich nach Esslingen.“ (Gemeint ist das jüdische Waisenhaus und Internat ‚Wilhelmspflege in Esslingen – Anm. d. Verf.)                                                                                                                  Schwierig ist es zu klären, wie viele und welche Schülerinnen und Schüler die Göppinger Jüdische Schule besuchten. Der ehemalige Schüler Herbert Steiner

Herbert Steiner (Quelle: ???)

bezieht sich auf die Zeit von der Eröffnung der Schule im September 1936 bis zu seiner Flucht im Dezember 1938: „Wenn ich mich richtig erinnere, hatten wir ungefähr 20 – 30 Kinder im Alter von 6 bis 14 in einem Zimmer“.

Seine Mitschülerin Beate Dörzbacher (später Betty Greenberg), ebenfalls Jahrgang 1927, bewahrte ein Poesiealbum auf, das sie von ihrem Lehrer Fritz Erlanger zum Abschied im Juli 1937 erhalten hatte. Es enthält die Unterschriften von 17 ihrer Klassenkameraden. Diese Zahl von insgesamt 18 Schulkindern entspricht von der Größenordnung her der Zahl von 17 SchülerInnen, die im Buch von Paul Sauer, ‚Die Schicksale der jüdischen Bürger Baden-Württembergs 1933 – 1945‘ auf Seite 66 genannt wird. Sauer bezieht sich dabei auf das Amtsblatt des Württembergischen Kultministeriums vom 27. November 1937. Von den SchülerInnen, die zu diesem Stichtag die Schule besuchten, wohnten zwei in Süßen (Ruth Lang und Siegfried Lang) und zwei in Eislingen (Pnina Plawner und Leo Lerner); die übrigen kamen aus Göppingen.

Aus dem Nachlass von Leo Lerner stammt ein Klassenfoto, das 20 Kinder und den Lehrer Erlanger zeigt.

Jüdische Schule Göppingen ca. 1939.
Ganz vorne im weißen Kleid Pnina Plawner.(Quelle:???)

Es muss vor der Flucht von Leo Lerners Familie, die am 31. Mai 1939 erfolgte, aufgenommen worden sein. Die Zahl von 21 Schülerinnen und Schülern legt nahe, dass nach dem Wegzug von zumindest sechs Kindern seit dem Juli 1937 eine größere Zahl von neuen Kindern in die Schule gekommen waren. Leider sind die Namen dieser Neuzugänge nicht alle bekannt.

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 beabsichtigten die Nazis, außer der Synagoge auch das benachbarte Rabbinerhaus und damit das Schulgebäude zu zerstören. Nach dem Krieg beanspruchte der Feuerwehrgeräteverwalter und zuständige Hausverwalter des Feuerwehr-Magazins Max Eder (1881-1950), ein ehemaliger Sozialdemokrat, seit 1937 Mitglied der NSDAP, in einer eidesstattlichen Erklärung, dies verhindert zu haben. Er habe sich mit Erfolg geweigert, den SA-Brandstiftern Übungsbrandsätze aus dem Bestand der Feuerwehr auszuhändigen.

Nach der Pogromnacht war jüdischen Kindern der Besuch jeder staatlichen Schule durch die NS-Verwaltung untersagt worden und somit kam es zu Neuzugängen auf die Göppinger Jüdische Schule.

Von der Göppinger Mädchenrealschule musste z. B. Margot Bernheimer auf die Jüdische Schule wechseln und aus der ca. 20 km entfernten Stadt Kirchheim/Teck kamen jetzt Renate Reutlinger und Ruth Vollweiler mit dem Bus täglich nach Göppingen.

Margot Bernheimer mit ihrem Vater Eugen im Jahr 1938 (Quelle: ???)

Die nachweisbaren Neuzugänge bestätigen, dass der Unterricht auch nach der Pogromnacht, zumindest nach Lehrer Erlangers Entlassung aus dem KZ Dachau, weitergeführt werden konnte. Ob und wenn ja wie lange, das Rabbinerhaus noch als Unterrichtsraum genutzt wurde, ist unklar. Spätestens mit dem 9. Juni 1939 dürfte der Schulbetrieb dort geendet haben, denn zu diesem Zeitpunkt erwarb die Stadt Göppingen das Gebäude, das laut Adressbuch unbewohnt blieb. Dass die NS-Stadtverwaltung den Unterricht jüdischer Kinder in ‚ihrem‘ Gebäude gestattet hat, ist unwahrscheinlich. Da es aber Hinweise gibt, dass noch bis ins Jahr 1940 unterrichtet wurde, dürfte die Jüdische Schule einen anderen Unterrichtsraum gefunden haben. Räume im Hotel Dettelbacher, das von der Israelitischen Gemeinde angemietet worden war, kommen nicht in Frage, denn auch dieses Gebäude musste an die Stadt Göppingen verkauft werden, die es im Juli 1939 abreißen ließ.

Nach dem Dezember 1940, als das jüdische Kind Inge Auerbacher mit sechs Jahren schulreif wurde, kann die Göppinger Jüdische Schule, egal in welcher Räumlichkeit, aber nicht mehr existiert haben. Inge musste mit dem Zug nach Stuttgart fahren, um dort die einzige jüdische Schule im weiten Umkreis zu besuchen. Im Jahr 1942 schloss die NS-Verwaltung auch die letzten noch bestehenden Jüdischen Schulen.

Zum Lehrplan der Jüdischen Schule

Welche Fächer wurden auf der jüdischen Schule unterrichtet und welche Lernziele wurden angestrebt? Der Schüler Herbert Steiner erinnerte sich:
Die Fächer in der Jüdischen Schule waren ’normal‘, aber natürlich mit nur einem Lehrer und etwa 30 Schüler in allen Stufen war der Unterricht schon ein bisschen chaotisch. Als ich 1939 in Amerika ankam, wusste ich mehr über Mathematik als die meisten Kinder hier, aber Englisch war mir fremd, die religiöse Erziehung spielte keine große Rolle.“

Herbert Steiner, geboren 1927, kam im Grundschulalter von der Evangelischen Knabenschule auf die Jüdische Schule, die in seinem Urteil ‚ganz gut wegkommt‘. Anders dürfte die drei Jahre ältere Margot Bernheimer die Schule erlebt haben, als sie im Herbst 1938 von der Mädchenrealschule auf die Jüdische Schule wechseln musste: Ein einem Brief schreibt sie:
“Die meisten jüdischen Kinder, die nun nicht mehr zur Schule gehen konnten, besuchten die sehr bescheidene Schule, die die Gemeinde mit einem Lehrer und einigen ehrenamtlichen Helfern in dem Gemeindehaus unterhielt, das nach der Zerstörung der Synagoge noch stand. Ich war eines von ihnen“.

Was Lehrer Erlanger mit seinem Unterricht bewirken wollte, wird in einem Artikel im ‚Israelitischen Wochenblatt‘ vom 16. März 1938 deutlich, wo von einem Elternabend berichtet wird:
„Er warnte vor den bisherigen Berufen, welche unsere Jugend nirgends in der Welt aussichtsreich seien. Chancen hat heute nur ein manueller Arbeiter, vor allem der Handwerker und der Landwirt, und auch diese nur bei gründlicher Vorbildung. Der Redner hob sodann die einzelnen im In- und Ausland heute gegebenen Ausbildungsmöglichkeiten hervor und beleuchtete im besonderen Hascharah und Jugend-Alijah (Vorbereitung für die Auswanderung nach Palästina – Anm. d. Verf.).“

Terror und Mord

In der jüdischen Schule waren die Kinder vor ungerechten Lehrern und gehässigen Mitschülern geschützt. Die brutale Wirklichkeit holte sie aber außerhalb des Schul- und Elternhauses wieder ein. Herbert Steiner schreibt aus leidvoller Erfahrung:
Der direkte Weg zur Schule von der Bahnhofstraße 6 war nicht sehr lang, aber die Umwege, die ich machen musste, um die geschmissenen Steine von den anderen Schulbuben zu vermeiden, machte es zu einem ernsten Unternehmen“.
Bedrohlich für das Eislinger Kind Leo Lerner war auch die Busfahrt nach Göppingen. Auf dem Weg zur Eislinger Bushaltestelle wurde er regelmäßig verspottet und angegriffen.

Namentlich bekannte Schülerinnen und Schüler der Jüdischen Schule in Göppingen (Stand 03.06.2026)

  1. Inge Banemann * 08.03.1930 in GP, deportiert 01.12.1941 nach Riga, ermordet
  2. Margot Bernheimer * 16.12.1924 in GP, am 15.07.1939 in die USA geflohen
  3. Edith Block * 07.06.1928 in GP, am 05.07.1938 in die USA geflohen
  4. Irene Block * 04.07.1930 in Stuttgart, am 10.07.1938 in die USA geflohen
  5. Beate Dörzbacher * 20.11.1927 in GP, am 05.07.1937 in die USA geflohen
  6. Günther Dörzbacher * 20.09.1928 in GP, am 15.09.1939 nach GB geflohen
  7. Ruth Dörzbacher * 21.11.1924 in GP, am 15.09.1939 nach GB geflohen
  8. Ruth Lang * 27.07.1925 in Süßen, deportiert 01.12.1941 nach Riga, überlebt
  9. Siegfried Lang * 10.07.1925 in Süßen, deportiert 01.12.1941 nach Riga, überlebt
  10. Leo Lerner * 03.09.1929 in GP, am 30.05.1939 nach China geflohen
  11. Pnina Plawner * 07.03.1926 in Haifa, 1939 nach Polen geflohen, ermordet
  12. Rita Puder (keine Daten vorhanden)
  13. Renate Reutlinger * 30.07.1930 in Kirchheim/Teck, geflohen
  14. Doris Rödelsheimer * 18.08.1930 in GP, deportiert 01.12.1941 nach Riga, ermordet
  15. Lise Rödelsheimer * 31.08.1928 in GP, deportiert 01.12.1941 nach Riga, ermordet
  16. Kurt Rothschild * 04.03.1929 in Stuttgart, am 10.92.1938 in die USA geflohen
  17. Ruth Rothschild * 19.03.1931 in Stuttgart, am 10.02.1938 in die USA geflohen
  18. Herbert Steiner * 08.12.1927 in GP, am 26.11.1938 in die USA geflohen
  19. Hilde Stern * 04.01.1929 in Gießen, deportiert 01.12.1941 nach Riga, ermordet
  20. Wolfgang Veit * 17.05.1927 in GP, am14.01.1938 nach Belgien geflohen
  21. Ruth Vollweiler * 30.09.1927 in Kirchheim/Teck, 1940 nach Argentinien geflohen

Von den 21 uns namentlich bekannten Schülerinnen und Schülern der Göppinger Jüdischen Schule konnten 14 mit ihren Familien fliehen, fünf Kinder wurden von den Nazis ermordet: Pnina Plawner, Lisa und Doris Rödelsheimer, Inge Banemann und Hilde Stern. Ihr Lehrer Fritz-Max Erlanger, der 1941 nach Ahlem gezogen war, wurde von Hannover aus nach Riga deportiert und starb im Verfolgungszusammenhang im Jahr 1945.

(24.07.2026 kmr)