erfahre mehr über Aron Tänzer

Vor 150 Jahren wurde am 30. Januar 1871 Aron Tänzer geboren. Nach ersten Stationen als Rabbiner in Hohenems und Meran kam er 1907 nach Göppingen, wo er dreißig Jahre lang lebte und die Stadt auf vielfältige Weise prägte: nicht nur als Rabbiner der jüdischen Gemeinde, sondern auch als Gründer der Stadtbibliothek, als Lokalhistoriker, als Vortragsredner, als Journalist und Literat. Göppingen feiert seinen runden Geburtstag mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen. Den Anfang macht pünktlich zum Geburtstag ein Film über dessen Leben und Wirken.


Zwischen Freihofgymnasium und Uhlandschule liegt zwischen Bäumen versteckt ein hübsches Haus mit gelben Schindeln und grauen Fensterläden: das Rabbiner-Tänzer-Haus, benannt nach dem wohl wichtigsten Rabbiner der Stadtgeschichte, Dr. Aron Tänzer. Wo heute das Referat Steuern und das Kulturreferat ihre Büros haben, wohnte Tänzer mit seiner Frau und sechs Kindern von 1907 bis zu seinem Tod dreißig Jahre später – unterbrochen nur durch seinen Dienst als Feldrabbiner im Ersten Weltkrieg. Damals stand das Haus direkt neben einer wunderschönen historischen Synagoge, die von den Nationalsozialisten in der reichsweiten Progromnacht 1938 niedergebrannt wurde. Das zu erleben, blieb Aron Tänzer durch seinen Tod am 26. Februar 1937 ebenso erspart wie der Beginn der systematischen Deportation und Ermordung der Juden, der auch Tänzers Witwe Bertha 1943 zum Opfer fiel.

Neben seiner Rabbinerstelle engagierte sich Aron Tänzer zeitlebens mit Herzblut für die Volksbildung. Er initiierte, gründete und leitete fast zwanzig Jahre lang die erste Leihbibliothek in Göppingen; er hielt gut besuchte Vorträge – beispielsweise über Goethes „Faust“ und Nietzsches „Zarathustra“ – beim 1919 gegründeten Verein für Kunst und Wissenschaft; und er forschte unermüdlich zur Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen und veröffentlichte seine Studien 1927 in einem Buch. Was weniger bekannt ist: Aron Tänzer schrieb auch drei Bühnenstücke, ein viertes blieb unvollendet.

Geburtstagsfeierlichkeiten
Zum 150. Geburtstag  Aron Tänzers planen das Kulturreferat sowie das Archiv und die Museen in  Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek, dem Stadtmarketing, der Stolperstein Initiative Göppingen e. V., dem Haus Lauchheimer e. V. und der Filstalwelle eine ganze Reihe von Veranstaltungen, die den verschiedenen Facetten von Tänzers Persönlichkeit nachspüren.

Filmpremiere als Auftakt zum Jubiläumsjahr
Zum Auftakt feiert pünktlich am Geburtstagsabend ein Film über Aron Tänzer Premiere. Gezeigt wird er erstmals im Rahmen einer Festveranstaltung in Tänzers Wirkungsstätte Hohenems, die als Zoom-Webinar und YouTube-Livestream die Chance bietet, seine verschiedenen europäischen Lebensstationen und seine Nachkommen in den USA einzubeziehen. So wird es Grußworte aus Tänzers Geburtsstadt Bratislava und aus Meran geben, eine Videobotschaft des neuen Göppinger Oberbürgermeisters Alex Maier sowie Wortmeldungen von Tänzers Nachkommen in den USA. Als Einstieg und Beitrag der Stadt Göppingen wird der Film „Dr. Aron Tänzer. Rabbiner – Gelehrter – Patriot“ gezeigt, produziert von der Filstalwelle mit historischem Bild- und Filmmaterial nach einem Skript von Dr. Karl-Heinz Rueß, dem langjährigen Leiter des Archivs und der Museen in Göppingen. Die Musik stammt vom Göppinger Jazzpianisten Hartmut Zeller. Den Film kann man wahlweise in deutscher oder englischer Sprache sehen – ab dem 30. Januar im Internet und bald auch im Jüdischen Museum in Jebenhausen. Wer teilnehmen möchte: Die virtuelle Veranstaltung aus Hohenems ist öffentlich und wird am Samstag, 30. Januar, ab 19:30 Uhr live auf dem YouTube-Kanal des Jüdischen Museums Hohenems übertragen: www.youtube.com/user/jmhohenems.

Mehr Veranstaltungen im Tänzer-Jahr
Sechs weitere Veranstaltungen zum Aron-Tänzer-Jubiläum sind im Lauf des Jahres geplant: im April und Mai zwei musikalisch umrahmte Lesungen aus Zeitdokumenten von Aron und Bertha Tänzer mit Claudia Liebenau-Meyer – hoffentlich dann wieder live in der Stadtbibliothek. Eine szenische Lesung aus Tänzers literarischem Werk findet im Juni openair auf dem Synagogenplatz statt. Im Juli lädt Stadtführerin Margit Haas zu einer Sonderführung „Rabbiner Dr. Aron Tänzer“ ein, und im Herbst leiten Wolfram Hosch und Dr. Karl-Heinz Rueß eine Kultur-Tagesfahrt nach Hohenems. Die Feierlichkeiten beendet im November eine Konzert-Lesung in der Stadtbibliothek mit zeitgenössischer israelischer Literatur. Ein Flyer mit allen Terminen und Informationen erscheint demnächst.